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12. August 2007

18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Abgelegt unter: Kirche — qno @ 20:29

1. Lesung: Koh 1,2; 2,21-23

2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.

21 Denn es kommt vor, dass ein Mensch, dessen Besitz durch Wissen, Können und Erfolg erworben wurde, ihn einem andern, der sich nicht dafür angestrengt hat, als dessen Anteil überlassen muss. Auch das ist Windhauch und etwas Schlimmes, das häufig vorkommt.
22 Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt?
23 Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger / und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.

Antwortpsalm: Ps 90 3-6.12-4.17

R Herr, du bist unsere Zuflucht
von Geschlecht zu Geschlecht

3 Du lässt die Menschen zurückkehren zum Staub / und sprichst: «Kommt wieder, ihr Menschen!»
4 Denn tausend Jahre sind für dich / wie der Tag, der gestern vergangen ist, / wie eine Wache in der Nacht.
5 Von Jahr zu Jahr säst du die Menschen aus; / sie gleichen dem sprossenden Gras.
6 Am Morgen grünt es und blüht, / am Abend wird es geschnitten und welkt.
12 Unsre Tage zu zählen, lehre uns! / Dann gewinnen wir ein weises Herz.
13 Herr, wende dich uns doch endlich zu! / Hab Mitleid mit deinen Knechten!
14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! / Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
17 Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. Lass das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände!

2. Lesung: Kol 3,1-5.9-11

1 Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
2 Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!
3 Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
4 Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.
5 Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist.
9 Belügt einander nicht; denn ihr habt den alten Menschen mit seinen Taten abgelegt
10 und seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen.
11 Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde, Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles und in allen.

Ruf vor dem Evangelium: Mt. 5,3

Halleluja. Halleluja.

Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.

Halleluja.

Evangelium: Lk 12,13-21

13 Einer aus der Volksmenge bat Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.
14 Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?
15 Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines großen Vermögens im Überfluss lebt.
16 Und er erzählte ihnen folgendes Beispiel: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte.
17 Da überlegte er hin und her: Was soll ich tun? Ich weiß nicht, wo ich meine Ernte unterbringen soll.
18 Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen.
19 Dann kann ich zu mir selber sagen: Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!
20 Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?
21 So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.

Meine Gedanken

Eine Botschaft, die im Evangelium an vielen Stellen vorkommt: Der irdische Reichtum hilft vor Gott überhaupt nichts. Dabei sieht das Verhalten des Gescholtenen doch ganz vernünftig aus: Da hat er schon einmal Glück mit der Ernte - man könnte auch sagen: Gott schenkt ihm eine überdurchschnittliche Ernte - und selbstverständlich will er die ja nicht auf dem Halm verderben lassen. Er ist ein reicher Mann, sicher hat er nicht nur Verantwortung für sich und seine Familie zu tragen, sondern auch für seine Beschäftigten. Da ist es doch sehr vernünftig, die Scheunen so zu vergrößern, dass die ganze Ernte hineinpasst. Für die nächsten Jahre ist man dann gegen die Zufälligkeiten des Wetters versichert und braucht keinen Hunger zu leiden, wenn mal eine Ernte ausfällt. Natürlich kann der Mann diese Ernte nicht mitnehmen, falls er stirbt, aber ist es denn falsch, sich auch in irdischen Angelegenheiten abzusichern? Im Psalm wurde gebetet: “Lass das Werk unserer Hände gedeihen.” Wenn Gott das Werk der Hände gedeihen lässt, sind wir nicht geradezu verpflichtet, dieses Geschenk auch anzunehmen?

Drei Dinge können dem reichen Mann entgegengehalten werden. Erstens gilt das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Was Gott uns schenkt, sollen wir nicht nur für uns verwenden. Bei aller Vorsorge dürfen wir, wenn wir einmal Erfolg haben, die Nächsten und ganz besonders die Armen nicht vergessen und nicht alles für uns behalten. Zum Zweiten spricht das Evangelium auch an einigen Stellen davon, die Sorge für die Zukunft Gott zu überlassen (z.B. Mt 6,26) und eben nicht selbst vorzu-sorgen.

Den dritten Einwand finden wir heute in Lesung, Psalm und Epistel. “Richtet eueren Sinn nicht auf das Irdische”, denn das ist “Windhauch”. Der Mensch selbst gleicht “dem sprossenden Gras”. Wenn der Sinn auf das Irdische gerichtet ist, schleicht sich die Habgier in die Gedanken ein. Und die sorgt dafür, dass selbst bei berechtigten Ansprüchen - der Bittsteller sieht sich wohl um sein Erbe geprellt - das Irdische das Himmlische überdeckt: Nichts als Sorge und Ärger, die uns auch noch um den Nachtschlaf prellen. Und wenn die Gedanken immer um den Besitz kreisen, dann sind sie nicht mehr bei Gott: Das Irdische, der Besitz hat die Stelle Gottes eingenommen und ist zum Götzen geworden. Nicht der Besitz selbst, nicht die Vorsorge für die Zukunft sind falsch, sondern die Vergötterung des Materiellen. Der Reichtum wird zur Gefahr, wenn Gott darüber vergessen wird. Nicht die Vorsorge war der Fehler des reichen Mannes, sondern dass er Gott aus den Augen verloren hat.

29. Juli 2007

17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

Abgelegt unter: Kirche — qno @ 21:48

1. Lesung: Gen 18, 20-32

20 Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.
21 Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.
22 Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.
23 Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
24 Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?
25 Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?
26 Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
27 Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.
28 Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.
29 Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
30 Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.
31 Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.
32 Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

Antwortpsalm: Ps 138, 1-3.6-8

R Herr, du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief.

1 [Von David.] Ich will dir danken aus ganzem Herzen, / dir vor den Engeln singen und spielen;
2 ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel / hin und deinem Namen danken für deine Huld und Treue. Denn du hast die Worte meines Mundes gehört, / deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.
3 Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief; / du gabst meiner Seele große Kraft.
6 Ja, der Herr ist erhaben; / doch er schaut auf die Niedrigen / und die Stolzen erkennt er von fern.
7 Gehe ich auch mitten durch große Not: / du erhältst mich am Leben. Du streckst die Hand aus gegen meine wütenden Feinde / und deine Rechte hilft mir.
8 Der Herr nimmt sich meiner an. / Herr, deine Huld währt ewig. / Lass nicht ab vom Werk deiner Hände!

2. Lesung: Kol 2, 12-14

12 Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
13 Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben.
14 Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Ruf vor dem Evangelium: Röm 8, 15bc

Halleluja, Halleluja.

Ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Halleluja.

Evangelium: Lk 11, 1-13

1 Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
2 Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme.
3 Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
4 Und erlass uns unsere Sünden; / denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns nicht in Versuchung.
5 Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote;
6 denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!,
7 wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
8 Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
9 Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
10 Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
11 Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet,
12 oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
13 Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Meine Gedanken

“Bittet, dann wird euch gegeben.” - Das ist nicht unsere alltägliche Erfahrung. Im Gegenteil: Wie viele Wünsche haben wir doch, um die wir bei allen möglichen Stellen bitten, und wie wenige werden davon erfüllt.

Manche der Wünsche sind sehr anspruchsvoll: Einmal, nur einmal den Sechser im Lotto haben! Die Beförderung, nach der wir endlich ein schönes, großes Haus bauen können und ein nobles Auto davorstellen! Kindliche Wünsche: die tollen Spielsachen aus der Werbung endlich alle haben! Oder auch ganz altruistisch: Weltfriede, kein Hunger mehr, keine Katastrophen, keine Seuchen!

Andere sind doch eigentlich ganz realistisch: Die letzte Bewerbung dürfte doch wirklich berücksichtig werden, damit ich endlich wieder Arbeit habe. Die Prüfung morgen muss ja nicht unbedingt so schwer sein wie im letzten Jahr. Und ich muss ja kein Leben in Saus und Braus führen, aber ein klein wenig besser als heute darf es mir morgen ruhig gehen.

Aber um alle diese Dinge können wir bitten, solange wir wollen, sie werden selten erfüllt. Bittet, dann wird euch gegeben? Offensichtlich nicht! Was sagt denn das Evangelium da?

Jesus sagt uns nicht nur, dass unsere Bitten erfüllt werden. Er sagt uns auch, worum wir bitten sollen: um das Kommen des Reiches Gottes; um unser tägliches Brot; um die Vergebung der Sünden; dass wir nicht in Versuchung geführt werden.

Unser tägliches Brot: und nicht die Butter und die Wurst darauf. Das ist das, was wirklich nötig ist; nicht das, was darübergelegt wird und den Blick darauf verdeckt. Das ist nicht nur im Wortsinne das tägliche Brot, sondern alles, was zum Leben notwendig ist: ausser Nahrung auch Gemeinschaft, ohne die der Mensch nicht leben kann; Gemeinschaft mit den Mitmenschen, aber auch mit Gott.

Und das fasst Jesus am Ende dieses Textabschnittes zusammen: Wenn wir um den Heiligen Geist bitten, werden wir ihn erhalten. Er wird uns helfen, uns das Richtige zu wünschen: das, was uns zu Gott hin- und von den Anforderungen der Welt wegführt. Und er wird uns diese Wünsche erfüllen.